Matthias Rüppel

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geboren 1971 in Mainz

Meisterschüler von Prof. Harro Jacob an der Universität der

Künste in Berlin und ist u.a. Preisträger des internationalen Kunstwettbewerbs „
Kunst in der Stadt“, Mainz.

Über seine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Kopf“ sagt der Bildhauer, Maler und Zeichner Rüppel:

„Der Kopf ist eine gute Metapher für Bewusstsein, für das Sich-Selbst-Bewusst-Werden.“
Er erhebt für sich den Anspruch, seine Bilder so lange durchzuarbeiten, bis sie ein Eigenleben entwickelt haben und er das Gefühl hat, dass sie lebendig sind.

 

Matthias Rüppel: Abbild(er) menschlichen Seins

In der Bilderflut der modernen, medialen Gesellschaft bleiben nur wenige der Bilder im Gedächtnis. Voraussetzungen für eine dauerhafte Wahrnehmung und den Wiedererkennungswert eines Künstlers sind zum einen multiple Anreize zur Deutung der Kunstwerke – denn Anregung zur Auseinandersetzung prägt sich ein –  sowie eine eigenwillige, markante Gestaltung und die Konzentration auf ein einziges Bildsujet. Beide Kriterien treffen auf den 1971 in Mainz geborenen Bildhauer und Maler zu, der Abbildungen von menschlichen Köpfen zu seinem Markenzeichen gemacht hat, nachdem er sein Studium an der Akademie für Kunst in Prag und an der Hochschule der Künste in Berlin als Meisterschüler von Prof. Harro Jacob 2005 abschloss.

Die fast monochrom gestalteten Kopfbilder sind keine Porträts, der Künstler benennt sie mitunter als „Archetypen“. Reduktion macht bewusster, Wortlosigkeit spricht zum Betrachter. Aus mehreren Schichten übereinander gelegter, genau ausbalancierter Striche und Linien unterschiedlicher Breite und Tonigkeit entsteht ein grafisches Liniengefüge von kristallin anmutender Struktur, in dessen Gesamtheit der Betrachter chiffrengleich die Kennzeichen für „menschliches Gesicht“ herausliest. Dabei bleibt es dem Betrachter überlassen, inwieweit er durch seine eigene Erfahrungswelt in Interpretation und Dialog von und mit dieser Kunst treten will und kann. Interaktion ist das Stichwort.

Die Köpfe wirken wie mit Pinselstrichen „freigelegt“ aus einem diffusen, blasstonigen Hintergrund. Breite Linien in stärkerer Farbe kontrastieren zu schmalen Strichen mit hellerer Nuance. Ein werkimmanentes Grundgerüst scheint angelegt, jedoch folgt die Konzeption keiner eindeutig auszumachenden Perspektive und auch die durch unterschiedliche Farbintensität bewirkte Tiefenräumlichkeit und Plastizität ist nur bildillusorisch. Nichts lenkt ab, reduzierte Formen und minimalisierte Farbe. Der gelernte Bildhauer folgt hier intuitiv denselben Prinzipien wie mit Meißel und Stemmeisen am Stein: Schicht um Schicht abtragen, zum Kern vordringen, das Wesentliche hervorbringen. Auch wenn die Vorgehensweise beim Malen gegensätzlich ist, sein muss. Diese Widersprüchlichkeit ist angelegtes Konzept – wie im Menschen selbst. Was zufällig wirkt und ungeplant, ist im Grunde zielgerichtet und berechnet, nicht nur in der theoretischen Konzeption sondern auch vom künstlerischen Herstellungsprozess her.

Der Unterschied von Bild und Abbild ist das Wesen der Dinge. So wie der Unterschied von Porträtköpfen zu den Köpfen des Matthias Rüppel. Nicht, wer hier abgebildet ist oder das „Wie“ der Physiognomie zählen, sondern: „Was macht dieses menschliche Wesen aus“ und „Was ist wesentlich daran“. Wie reagiert der Mensch auf den Menschen, auf das eigene Selbst?

Es ist die Verbildlichung der Idee Mensch, die uns hier begegnet, sei es in Form der Kopfbilder, im Gewand der archaischen, an Totenmasken erinnernden Bronzereliefs oder der aus Kalkstein gehauenen Kopfskulpturen, deren martialische Erscheinung an minoische oder auch ozeanische Kunst der Frühzeit gemahnt. Und somit sowohl den geografischen als auch geschichtlichen Bogen um das grundlegende Thema „Menschsein“ sinnvoll spannt.

Kunst lebt von der Tiefe ihrer Aussagekraft. Matthias Rüppels lebendige Bilder und Skulpturen beweisen dies.

Dr. Nicole Beyer, Kunsthistorikerin

 

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